C64 Restaurationen

C64 Assy 250407 Wiederbelebung

Diese großartige Wiederbelebung wurde ausgeführt und hier mit freundlicher Genehmigung eingestellt von Andreas / JerryMaus.

Hallo,

ich habe diese Platine Ende der 80´er bekommen. Der vorherige Eigentümer hat versucht, das Kernal auszulöten und dabei mehrere Durchkontaktierungen und Leiterbahnen abgerissen. Das Gehäuse, Tastatur und viele der Bauteile sind über die Jahre anderen 64´ern zugute gekommen.

Da nun so ziemlich alles brauchbare nicht mehr vorhanden war, wollte ich den Rest eigentlich entsorgen. So sah sie bis gestern noch aus:

Inspiriert durch Pentagon´s Bericht über die Rettung eines C64G habe ich es dann doch nicht getan, sondern mich zu einem Rettungsversuch entschlossen.

Nach Reinigen der Platine und Abschleifen der defekten Leiterbahnen mit einem Glasfaserpinsel war der Schaden gut zu sehen:


Nach Durchmessen der neuen Verbindungen wurde das Ganze zwecks Isolation und Schutz vor Korrosion mit einem durchsichtigen Schutzlack überzogen. Heute war dieser trocken und ich habe Sockel eingelötet. Im Zuge dessen wurden auch gleich die alten, noch vorhandenen Sockel durch Präzisionsfassungen ersetzt:

Und so schaut nun die Rückseite nach dem reinigen, löten und versiegeln aus:

Die Bauteile habe ich aus meinem Fundus zusammengesucht, eine CIA und den SID jedoch vorerst einem anderen Rechner entliehen:

Der anschließende Funktionstest fiel nicht so gut aus. Es hatte sich noch eine Unterbrechung bei den Speicherbausteinen eingeschlichen. Diese war aber schnell gefunden. Die Bauteile hatte ich natürlich vorher in einem anderen Cevie einzeln auf Funktion getestet. Und siehe da:

Ein brauchbares Gehäuse sowie eine Tastatur fehlt leider noch. Aber die Platine hat schon mal ein neues Leben vor sich.

Gruß Andreas.


C64 Restauration Pentagon

Diese herausfordernde Restauration wurde von: Thomas Wirtzmann / Pentagon durchgeführt. Ich war so fasziniert davon, das ich ihn fragte, ob ich das auch auf meiner Webseite stellen darf: Wenn Du möchtest darfst Du unter Angabe meines Namens: "Thomas Wirtzmann / Pentagon" folgende Berichte auf Deiner Homepage einbauen und benutzen: Restaurierung eines C-64G http://www.forum64.de/wbb2/thread.php?threadid=14918 Restaurierung eines Commodore Blue PET-2001 http://www.forum64.de/wbb2/thread.php?threadid=3942 Die Fotos natürlich auch. Nur sei bitte so nett und sauge Dir die Fotos auf Deinen Webspace. Und hier kommt die Story: Nach langer Zeit hat mich unser geschätzter Doc64 letzte Woche mal wieder zu Hause besucht. Wie es sich gehört hat er mir als freundliches Gastgeschenk - einen Commodore 64 mitgebracht. Es war ein wunderschöner C-64G aus dem Jahre 1990. Und die Freude meinerseits war natürlich riesengroß. Na ja nicht ganz, wie man sich denken kann, rückt der Doc nicht so ohne weiteres einen Cevie raus, oder?

Leider hatte der Rechner diverse Probleme:

Manfred war am Morgen zu einem Bekannten gefahren und hatte das Gerät dort im Keller gefunden, wo es zwischen Müllbergen, Mäusekot, Schimmel und Dreck sein trauriges Endzeitstadium fristete. Da ihm das gute Stück extrem leid tat, hat er es kurzerhand eingepackt und beschlossen mir den Rechner als Geschenk mitzubringen, da ich immer auf der Suche nach Ersatzteilen bin.

Als ich das Gerät dann in die Hände gedrückt bekam, war mein Entsetzen groß, sowas hatte ich nämlich noch nie im Leben gesehen. Abgesehen von dem bestialischen Gestank von Moder und Kleintierexkrementen, war das Teil einfach nur ekelhaft. Mit spitzen Fingern haben wir dann das Gerät aufgeschraubt und wollten die Platine zum späteren schlachten ausbauen. Nachdem öffnen des Rechners kam der nächste Schock, die Platine hatte einen Schaden durch eingedrungene Flüssigkeit, vermutlich Coca Cola. Außerdem war noch eine Art stinkender klebriger Leim rund um den Modulport, welche so ekelhaft gerochen hat. Es würde mich nicht wundern, wenn es eine Verwesung war.

Wir haben die Platine trotzdem ausgebaut und das ekelhafte Gehäuse in meine Restmülltonne befördert. Denn es war einfach nur noch schrottreifer Müll.

Die Platine wurde sofort bei uns ins Badezimmer gebracht, wo sie sogleich in 70 Grad heißes Wasser getaucht wurde. Es war ein Jammer, aber der Geruch war unter Wasser nicht mehr wahrzunehmen. Dann haben wir ein Schaumbad aus Spüli und Duschgel zubereitet und die Platine nach allen Regeln der Kunst mit Zahnbürste und Nagelbürste geputzt. Nach knapp 40 Minuten dauerschrubben, war die Platine dann soweit sauber und mir war zum schwallartigen Erbrechen zumute. Sowas ekelhaftes, habe ich noch geputzt. Das Blech vom Modulport war so verrostet und angefressen, dass es grosse Blasen geworfen hatte. Die Drosselspule war weggefressen und der Schalter ließ sich überhaupt nicht mehr richtig bewegen und stank selbst nach dem Bad noch ungemein.

Die Platine habe ich dann in einem Zimmer auf die Heizung gelegt und wir haben uns anschließend einen schönen Abend gemacht und 80er Jahre Videos geschaut. Als Manfred dann später nach Hause fuhr, habe ich mir die trockene Platine angesehen und festgestellt, daß diese erst 17 jahre alt war, also relativ jung für einen C-64. Es waren nur CSG Chips aus dem Jahr 1990 verbaut und das Herstellungsdatum war Kalenderwoche 40 / 1990.

Ich bin dann ziemlich müde ins Bett gekrabbelt und hatte eine sehr unruhige Nacht. Irgendwie hatte ich ein schlechtes Gewissen bekommen, dass ich das C-64 Gehäuse so einfach in den Müll geworfen hatte. Meine Frau hat mich für total bescheuert erklärt und sagte, dass dieses Ekelteil auf jeden Fall in der Mülltonne bleibt und entsorgt wird.

Früh morgens, war es dann soweit. Meine Unruhe war so groß, ich bin dann mit meiner Schlafanzughose und einem Pulli an die Mülltonne geschlichen. Dann öffnete ich den Deckel der stinkenden Tonne und nahm das widerliche Gehäuse wieder raus. Im gleichen Moment kam meine Nachbarin um die Ecke und hat mich mit dem Ding an der Tonne stehen sehen. Nachdem sie dann noch meine Schlafanzughose wahrnahm, hat sie den Kopf geschüttelt und ist fassungslos wieder zurück ins Haus gegangen. Ihre Gedanken konnte man förmlich am Gesichtsausdruck ablesen.

Nachdem ich das gute Stück dann mit ins Haus genommen hatte, habe ich es erst einmal in die Badewanne verfrachtet und auseinander genommen. Im oberen Gehäusedeckel war alles voll Müll, Dreck und Mäusekot:

Die Tastatur war auch total verklebt und ein schleimiger Brei klebte rund um die F-Tasten und über der Return Taste. Das ganz war so verharzt, dass man die Tasten nicht mehr bewegen konnte:

Nach dem Ausbau der Tastatur habe ich dann das Gehäuse in der Badewanne mit der chemischen Keule gereinigt. Ich habe einen Spezialschaum eingesetzt, welcher auch in die Poren einzieht und gleichzeitig leicht bleichend wirkt. (Anmerkung: Wasserpfeifenreiniger "Schmand Weg" in lauwarmen Wasser soll hier gute Ergebnisse bringen)

Nachdem Einsatz der chemischen Keule, wurde das Gehäuse dann geschrubbt und das erste Ergebnis war schon mal gar nicht schlecht. Wenn auch noch lange nicht perfekt.

Nach fast zweistündigem schrubben, putzen, bleichen, trocknen, polieren war ich mit dem Ergebnis soweit zufrieden.

Jetzt habe ich mich der Platine gewidmet. Die Platine war defekt und funktionierte überhaupt nicht mehr. Also habe ich den Schalter abgelötet, die Spule entfernt und das Modulblech ebenfalls entfernt. Den verfaulten Sicherungshalter, habe ich ausgelötet und ersetzt.

Der Schalter wurde aufgebogen und zerlegt. Im inneren befand sich noch Wasser und klebriger Brei, welcher so zäh war, dass man ihn nicht entfernen konnte. Also habe ich den Schalter ausgetauscht und einen neuen eingelötet. Die Platine war soweit wieder sauber und sah aus wie gestern produziert. Die Spule habe ich neu eingelötet und die Sicherung ersetzt. Die gesockelten Chips habe ich gereinigt und neu eingesetzt.

Jetzt kam der große Augenblick und ich habe die Hauptplatine dann am 1701 angeschlossen. Eingeschaltet und:

Sie funktionierte wieder.

Ein Modulportblech, war auch noch in meinem Ersatzteilbestand, zwar vom C-64E aber egal. Hauptsache es passt.

Sieht doch wieder sehr gut aus und funktioniert auch wieder einwandfrei. Der Modulport war mit Grünspan oxidiert und wurde mit dem Dremel und einem Zahnarztpolierer wieder vorsichtig auf Hochglanz gebracht. Steckmodule funktionierten auch wieder einwandfrei.

Jetzt konnte die fertige Hauptplatine wieder in die Unterschale eingebaut werden. Die Unterschale hatte auch einen Defekt. Beim Ausbau der Platine ist oben rechts eine Gewindeführung abgebrochen. Diese hing noch am Metallblech von den Ports dran. Also habe ich sie mit Sekundenkleber wieder eingeklebt und die Naht mit einer kleinen Lötkolbenspitze verschweißt. Das hält auf jeden Fall wieder sehr gut und die Platine konnte einwandfrei verschraubt werden. Selbstverständlich habe ich die verrosteten Schrauben gegen neue ersetzt.

Die Silberpappe für die Abschirmung, war leider total verschimmelt und konnte nicht weiter verwendet werden. Also verzichte ich eben darauf. Wird auch ohne Pappe funktionieren.

Jetzt habe ich die Tastatur in der Badewanne mit dem Schaumreiniger eingesprüht und habe das einwirken lassen.

Das war wirklich extrem ekelhaft, beim Abspülen offenbarte sich der gesamte Dreck der letzten 17 Jahre. Dort waren tote Insekten, Würmer, Dreck, Mäusekot und Abfallteile zwischen den Tasten. Es wurde immer mehr Dreck. Unglaublich wieviel Dreck in so einer Tastatur vorhanden sein kann. Das war sowas von krass, dafür gibts keine Worte.

Nach dem ersten Abspülen, habe ich dann die Tastenkappen entfernt und die Tastatur komplett zerlegt. Dabei hätte ich mich wirklich fast übergeben müssen, denn im inneren der Tastatur befanden sich kleine Würmer und winzige Käfer die sich dort einen Lebensraum erschaffen hatten. Ich hätte das nie für möglich gehalten, aber diese Insekten haben dort auf der Platine lauter Eier abgelegt und es lebte.

Hier kommt der widerliche Beweis:

Die Tastenkappen habe ich dann in Oxycleanbad gegeben und über Nacht stehen lassen. Das Oxyclean, löst den Dreck auf und bleicht die Tasten. Leider war die Bleichwirkung so gering, daß ich zu härteren chemischen Mitteln greifen mußte. Ich habe reine Chlortabletten mit kochendem Wasser aufgegossen und eine 70% Chlorlösung gebraut. Das ganze noch mit einer Flasche Domestos aufgegossen und fertig war die Chlorgasbombe.

Das ganze habe ich natürlich draußen gemacht, denn der Gestank ist nicht nur unerträglich, sondern auch hochgiftig. Also bitte nicht zuhause nachmachen. Mein Nachbar war ganz verwundert, über den penetranten Schwimmbadgeruch. Ich habe mir nichts anmerken lassen und innerlich gelacht. (Anmerkung: Vorsicht mit solchen chemischen Substanzen! Sicherheitshinweise beachten!)

Die Tasten haben es überlebt und sind schön gebleicht. Leider hat mir das Ergebnis trotzdem nicht gefallen. Also habe ich mich entschlossen, einen Satz neue Tastenkappen zu verwenden.

Ist schon ekelig oder?

Nach der Reinigung und Aufbereitung der Tastatur konnte diese wieder in das Gehäuseoberteil eingebaut werden. Die LED des Cevie war auch hinüber. Sie war so verrostet, das der Rost sich bis ins innere gefressen hatte. Da ich keine grünen LED's im Haus hatte, musste ich notgedrungen eine blaue verwenden. Ich hoffe man verzeiht mir das "Modding". Die Kabel zur LED wurden ebenfalls ausgetauscht, da sie ebenfalls brüchig vor Korrosion waren. Neuer Schrumpfschlauch wurde ebenfalls "drumgeschrumpft".

Nach der Montage des Gerätes sah es dann so aus:

Das Gerät war nun nach langer Arbeit endlich fertiggestellt. Nicht ohne Stolz habe ich es dann sofort angeschlossen und habe es jetzt seit vier Stunden im Dauerbetrieb. Als meine Frau dann von der Arbeit nach Hause kam, wurde das Gerät sofort besetzt und mit großer Freude begrüsst.

Alles in allem ist es doch sehr schön geworden. Jemand anderes, hätte das Ding mit Sicherheit im Müll gelassen. Aber wie man sieht, lohnt sich Ausdauer und Fleiß und man bekommt ein gutes Ergebnis.

Vielleicht regt es Euch an, eventuell haltet Ihr mich für bescheuert. Der Cevie funktioniert auf jeden Fall wieder.

HAPPY BIRTHDAY !!!

Gruß
Pentagon